Kirche von Negrentino

Städte-Denkmäler

Die kleine Kirche von Negrentino gehört zu den bedeutendsten im Tessin. Die bezaubernde Lage, die romanische Architektur und die reichen Dekormalereien machen sie einmalig. Inmitten von Wiesen liegt sie auf 850 m Höhe ü.M., freistehend an einem Hang, der den Blick auf ein weites Panorama freigibt. Der Reiz dieses Zeugnisses der Tessiner und lombardischen Romanik ist über die Jahre intakt geblieben. Ein Besuch in Negrentino ist auch eine Gelegenheit, sich dem Bleniotal zu nähern, das auch das „Sonnental“ genannt wird.

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Die Besichtigung


Das hübsche Kirchlein, auch Chiesa di S. Ambrogio Vecchio genannt, erreicht man von Leontica aus in wenigen Minuten zu Fuss. Ein erst kürzlich erbauter Steg erleichtert den Zugang zu diesem wichtigen Monument. Den Schlüssel zum Messraum erhält man in der Osteria im Dorf.

Der Bau entstand im 11.Jhd. und wird 1224 das erste Mal erwähnt. Er liegt an der antiken Passstrasse des Nara, die zwei Täler verbindet: Blenio und Leventina. Der neben der Kirche stehende Glockenturm wurde wahrscheinlich im nachfolgenden Jahrhundert hinzugefügt.

Die Dekormalereien erstrecken sich fast über alle Innenwände und stammen aus drei verschiedenen Epochen. Zur ursprünglichen Kirche gehört wohl das aussergewöhnliche Fresko auf der Gegenfassade der grossen Apsis: es stellt Christus mit der Dornenkrone dar, inmitten konzentrischer Kreise, die das Universum symbolisieren; dahinter die Instrumente der Passion (Lanze und Stock), daneben die Apostel. Darüber ein Mäander, unterbrochen von zwei Engeln und einem Meerestier, darunter nochmals ein Mäanderband. Eine sehr ungewöhnliche Komposition, die als Auferstehung, Himmelfahrt oder Jüngstes Gericht gedeutet werden kann. Aus den eher zarten Farbtönen stechen Hellgrün, Ocker und Ziegelrot hervor. Insgesamt handelt es sich um ein bemerkenswertes Fresko, mit unübersehbarem byzantinischen Einfluss. Die Datierung ist ungewiss (1010-1100), aber sicher ist es eines der ältesten im Tessin. Die Kunstwissenschaftler stellen es der grossen romanischen Malerei Norditaliens zur Seite.

Die übrigen Malereien im ältesten Teil der Kirche sind den Seregnesi zuzuschreiben, die in der zweiten Hälfte des 15. Jhd. im Tessin und in Graubünden zahlreiche Fresken gemalt haben. In der grossen Apsis findet man die gewohnten mittelalterlichen Themen: Christus im mandelförmigen Heiligenschein, die vier Evangelisten, die Apostel; Hinter einem Vorhang im unteren Teil verbirgt sich wohl der älteste Teil der Malereien, wie ein zu Tage getretener Drachenkopf vermuten lässt. An den Seitenwänden die Heiligen Stephan und Katherina, unter dem Bogen Bilder von Königen und Propheten, am Triumphbogen eine Verkündigung. An der Nordwand sind Votivbilder zu sehen, darunter ein heiliger Ambrosius, eine thronende Madonna, ein weiteres Marienbild mit dem heiligen Abt Antonius und dem heiligen Bernhard und einer Kreuzigung.

Eine weitere emsige Werkstatt hat im Negrentino gearbeitet. Um 1510 haben Antonio da Tradate und seine Helfer die kleine Apsis und die Wände des zweiten Kirchenschiffs mit Fresken versehen. In der Apsis wird, rund um das Hauptbild der Krönung, das Leben der Jungfrau Maria geschildert. An den Trennbogen sieht man Mariä Himmelfahrt, umgeben von Aposteln und musizierenden Engeln, unter den Bogen Propheten und wieder der heilige Abt Antonius.

Das Bild an der Gegenfassade erzählt das Wunder von Parabagio: der heilige Ambrosius erscheint hoch zu Ross, um den Mailändern während der Schlacht (1339) beizustehen. Daneben sind die frühchristlichen Märtyrer Gervasius und Protasius abgebildet. An der Südwand wurden weitere Votivbilder angebracht.

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