Burgen von Bellinzona

Städte-Denkmäler

Die Burgen von Bellinzona gehören zu den Hauptattraktionen im Tessin. Mit den verbliebenen Resten der alten Mauern bilden sie ein mittelalterliches Bollwerk, einzigartig im Alpenraum und im Jahr 2000 in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Ein Besuch der drei Burgen, die auch durch ein Touristenbähnchen verbunden sind, bedeutet einen Sprung in die Geschichte, mit seinen Verteidigungsanlagen, den hohen Türmen und den zinnengekrönten Mauern. Ein Abstecher in das historische Zentrum der Stadt ist sehr empfehlenswert, insbesondere am Samstag, wenn der Wochenmarkt stattfindet. Audioführer stehen zur Verfügung.

Besichtigung


Die strategische Position Bellinzonas an der Nord-Süd-Achse der Alpenstrassen (St. Gotthard, Lukmanier, San Bernardino, Nufenen) führte dazu, dass ausgerechnet hier um das 15. Jhd. ein wichtiges Bollwerk mit drei Burgen errichtet wurde, mit verschiedenen Türmen und einer langen Umfassungsmauer. Es waren die Herzöge von Mailand, die verhindern wollten, dass die Eidgenossen nach Süden vorrücken konnten, indem sie das Tal des Ticino an dieser Verengung, die ein obligatorischer Durchlass war, blockierten.

Castelgrande


Die erste Burg, Castelgrande, erreicht man mit einem Lift von der Piazza del Sole aus, oder auch zu Fuss, über die Gässchen die vom Zentrum der Altstadt nahe der Collegiata nach oben führen. Eine Rundfahrt mit der kleinen, bequemen Touristenbahn (Abfahrt: Piazza Collegiata) ermöglicht die Burgen sowie die hauptsächlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken. Castelgrande wurde in den 80er und 90iger Jahren von Architekt Aurelio Galfetti sorgfältig restauriert. Sie hat zwei Türme und eine Umfassungsmauer mit Zinnen, auf der man teilweise spazieren gehen kann. Sie beherbergt ein Museum, das die Geschichte der Stadt dokumentiert, und in dem permanente Ausstellungen stattfinden. Ausserdem, befindet sich dort ein gutes Restaurant, das von der Tourismusfachschule des Kantons Tessin geleitet wird. Grossartig der Panoramablick auf die Umgebung.

Grabungen in den Jahren 1984-85 bezeugen eine erste Besiedlung des Hügels von Castelgrande in der Neusteinzeit, also ca. 5500 vor Christus. Auf dieser Siedlung, die wahrscheinlich bis zur Römerzeit laufend weiterentwickelt wurde, erbaute man im 4. Jahrhundert n. Chr. die erste Festung. Grabungen sowohl als auch Dokumente aus dem 6. Jhdt bestätigen das Bestehen dieser Befestigungsanlage. Im 14. Jhdt taucht erstmals der lateinische Name für Castelgrande, Castel Magnum, auf. Während der eidgenössischen Besetzungszeit hiess die Burg Uri oder Altdorf (1630), 1818 wurde sie San Michele genannt. Der gegenwärtig sichtbare Gebäudekomplex geht auf verschiedene Epochen zurück. Die Bauten aus dem 13. Jhdt werden 1473-86 mit einer "mailändischen" Phase überbaut, welcher anfangs des 17. Jhdts Wiederherstellungsarbeiten folgen und schliesslich, im 19. Jhdt, grosse Eingriffe.
Das heutige Aussehen des Innenhofs, die Wiederherstellung der Zugänge, der Lift und die Treppe zur Stadt sowie der teilweise neue Innenausbau sind das Resultat der Restaurierung von 1984-1991 die der Architekt Aurelio Galfetti geleitet hat. Ein besonderes Merkmal im Landschaftsbild von Bellinzona sind der 27 m hohe "weisse Turm" und der 28 m hohe "schwarze Turm", erbaut 1250-1350. Die Ringmauer mit Zinnen unterteilt die Burg in drei grosse Sektoren; eine mächtige Mauer verläuft zudem zur Stadt hinunter. Zur Zeit der Visconti führte sie über den felsigen Vorsprung bis zum Fluss Ticino hinunter. Erbaut gegen Ende des l4. Jhdts, wurde sie in den Jahren 1486-89 von den Sforza verstärkt und im Jahr 1515 von einer Überschwemmung zum Teil zerstört.

Montebello


Vom Castelgrande gelangt man zur Burg Montebello, auf dem Hügel gegenüber, indem man die Treppe zur Piazza Collegiata hinabsteigt und die Gasse entlang der gleichnamigen Kirche hinaufgeht. Die Glanzzeiten der Burg leben im Frühling während der Feierlichkeiten La Spada nella Rocca (das Schwert im Felsen) wieder auf und zwischen den Mauern sind Ritterfräulein, Recken, Bogenschützen und Musikanten in ihren prächtigen Kostümen zugange sind. Auch in dieser Burg befindet sich ein Museum, mit historischen und archäologischen Fundstücken.

Vom Hügel Montebello aus, auf dem diese Burg 90 Meter über der Stadt thront, blicken wir auf das Castelgrande hinunter. Hier teilten sich die Mauern, die die Altstadt umfingen und sich mit denjenigen, trafen, die vom Felsen S. Michele hinunterstiegen. Teile dieser Ringmauer, die die nördliche und südliche Flanke der riesigen dreieckigen Festung beschützten, bestehen heute noch.
Interessant ist das vor einigen Jahren in der Piazza del Sole zum Vorschein gekommene Mauerstück, das im Rahmen der gesamten Neugestaltung dieses Platzes renoviert wurde. Die Burganlage, welche mehrmals restauriert wurde, stammt aus dem 13.-14. Jhdt. Sie soll von den Rusconi erbaut worden sein, welche sie auch unter der Herrschaft der Visconti noch lange benutzten. Die äusseren Burghöfe mit ihren Türmen wurden im 14. und 15. Jhdt. errichtet und verdanken ihre heutige Form den Ingenieuren der Sforza. Ursprünglich hiess die Burg Castel Piccolo.
Unter der eidgenössischen Besatzung wurde sie auf Burg Schwyz und später, 1818, auf S. Martino umgetauft. Gegen Ende des 18. Jhdts kam sie in den Besitz der Familie Ghiringhelli. 1903, aus Anlass der 100-jährigen Unabhängigkeit des Tessins, wurde sie vom Kanton erstanden und zum ersten Mal restauriert.

Sasso Corbaro


Die dritte Burg, genannt Sasso Corbaro, dominiert die Stadt und man hat von dieser Höhe eine wunderbare Aussicht. Man kann von Montebello hinkommen, indem man Wegen zwischen Weinbergen und Fahrstrassen folgt, aber auch mit dem Auto. Auch hier gibt Ausstellungsräume und ein hervorragendes Restaurant.

Diese Burg beherrscht die Gegend von Bellinzona aus 230 m Höhe über der Stadt. Wie bei anderen von den Sforza in lombardischen Städten errichteten Befestigungsbauten sind die Mauerwerke auf geometrische Grundformen beschränkt. Dem viereckigen, von hohen Mauern umschlossenen Innenhof, fügen sich der massive Hauptturm (mastio) mit bis zu 4,7 m dicken Mauern und der Beobachtungsturm (torre di vedetta) an.
Die Burg Sasso Corbaro wurde auf Befehl des Herzogs von Mailand in etwas mehr als sechs Monaten ununterbrochene in Tag- und Nachtarbeit im Anschluss an die Schlacht von Giornico im Jahre 1479 erstellt. Der mit ihrem Bau beauftragte Militäringenieur Benedetto Ferrini aus Florenz starb kurz vor der Fertigstellung an der Pest. Die Burg wurde nach dem Hügel benannt, auf dem sie sich mit dem ganzen Stolz der Renaissance erhebt. Unter der Herrschaft der Eidgenossen wurde sie Burg Unterwalden und im Jahre 1818 Santa Barbara getauft. Die Bellinzonesi nennen sie auch Castello di Cima. Sie ist die dritte der Befestigungen, die von den Herzögen von Mailand zur Verstärkung der Abriegelung des Ticinotals erstellt wurden.
Nach 1798 wurde sie sich selbst überlassen und wäre sicher zerfallen, wenn sie der Kanton anfangs 1870 nicht einer privaten Gesellschaft, die ein Hotel daraus machen wollte, und später an drei Bellinzoneser Familien, die sie in eine Sommerresidenz umbauten, weitergegeben hätte. Im Jahre 1919 wurde sie vom Kanton zurückgekauft, der sie renovierte und unter anderem die Eingangsportale, die Kapelle aus dem 17. Jhdt und den Ziehbrunnen wieder aufbauen liess.

(Bellinzona Turismo)


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