Corippo

Dörfer

“Corippo ist das freundlichste Dorf des Verzascatals. Eine dreieckige Kaskade von grauen Häusern und schwarzen Dächern, die sich eng um die Kirche scharen, welche den Sturz aufhält indem sie sich querstellt.“ So beschrieb der Tessiner Schriftsteller Piero Bianconi dieses seltene Beispiel einer authentischen ruralen Menschensiedlung südlich der Alpen. Bis heute intakt geblieben, steht Corippo unter nationalem Denkmalschutz. Seine Besonderheit liegt in der einfachen Architektur der Steinhäuser mit den Dächern aus Steinplatten, alle in dieselbe Richtung blickend und durch enge Gässchen miteinander verbunden.

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Die Besichtigung


Das Dorf Corippo erscheint fast plötzlich, wenn man das Verzascatal hochfährt und am Ende von Vogorno in San Bartolomeo angelangt ist. Der Hang, an den es sich klammert, ist so steil, dass die Corippeser – wie die Legende erzählt – ihren Hühnern Säckchen an die Schwänze binden mussten, damit die gelegten Eier nicht ins Tal rollten!

Hinter und vor den Häusern, von Trockenmauern gestützt, sieht man schmale Terrassen, auf denen in bescheidenen Gärten Korn und Hanf angebaut wurde. Die Dächer sind mit Steinplatten gedeckt, die auf soliden und kongenialen Stützen ruhen, für welche, wie für die Böden, bevorzugt Kastanienholz verwendet wurde. Die Steine der Hauptmauern sind fast immer klotzig und rechtwinklig. Die Fenster sind klein, manchmal mit einer weissen Kalkumrandung und vergittert. Das Dorf gehört zu den wichtigen nationalen Denkmälern und steht daher unter rigorosem Schutz. 1975 wurde es als „beispielhafte Realisation“ für das Europajahr der architektonischen Kulturgüter ausgezeichnet.

Die Einwohner waren über Jahrhunderte Bauern und Hirten. Seit dem 16. Jhd. betrieben sie die Transhumanz, indem die Tiere den Winter in der Magadinoebene verbrachten, wo es an Weiden und Futtermöglichkeiten nicht mangelte. Im ethnografischen Museum in Sonogno findet man verschiedene Beispiele der Gegenstände und Werkzeuge, die von den Leuten in Corippo und generell im Verzascatal für die bäuerlichen Tätigkeiten benutzt wurden.

Der ständige demografische Rückgang in Corippo – von 294 Einwohnern im Jahr 1850 verbleiben aktuell 12 – ist insbesondere die Folge der Emigration, welche wegen des Mangels an Ernährungsmöglichkeiten unvermeidlich war. Die hauptsächlichen Ziele waren Kalifornien (Arbeit auf den Ranches) und Australien (Goldsuche in den Minen). Viele junge und sehr junge Buben aus dem Verzascatal, wie auch aus anderen Tälern der italienischen Schweiz, emigrierten nur während der Wintermonate, von November bis Ostern, in die Lombardei und ins Piemont, wo sie als Kaminkehrer arbeiteten. Diesem Thema ist eine komplette Sektion des ethnografischen Museums von Sonogno gewidmet. Die Fahrstrasse wurde erst Ende des 19. Jhd. Ausgebaut.

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