Kunsthandwerk

Spezialitäten

Das Handwerk, wie die Folklore und die Traditionen, sind zutiefst mit der Seele einer Region verbunden. Auch im Tessin, heute wie gestern, ist die Verarbeitung der verschiedenen Materialien wie Wolle, Stroh, Holz oder Stein Ausdruck handwerklicher Geschicklichkeit, künstlerischer Feinfühligkeit, Achtsamkeit auf der Suche nach Funktionalität und Pflege der Formen und Farben. In den ethnografischen Museen finden sich Spuren von Arbeiten aus den vergangenen Jahrhunderten, während Spezialgeschäfte authentische zeitgenössische Produktionen anbieten. In einigen Ateliers und Werkstattzentren kann man den Handwerkern bei der Arbeit zusehen.

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Entwicklung des Handwerks und neue Tendenzen


Gegen Mitte des 20. Jhd. hat das Tessin, wie auch andere Regionen, eine rapide sozioökonomische Veränderung erfahren und die ländlichen Tätigkeiten wurden von der Arbeit in Fabriken, auf Baustellen und im Tertiärsektor abgelöst. Die Aufgabe der landwirtschaftlichen Betriebe und die fortschreitende Entvölkerung der Täler, der Zugang zu neuen Märkten und die Übernahme neuer Gewohnheiten und Konsumgepflogenheiten haben das Handwerk in die Krise geführt. Dieses verstand es aber, zu reagieren und andere Ausdrucksformen zu finden, indem es sich in Form und Farben erneuerte.

Das Wiederentdecken der ruralen Zivilisation, die Freude am Schönen und die Bewunderung handwerklicher Geschicklichkeit animieren heute zur Suche nach Dingen, welche die Authentizität des Territoriums darlegen. Gegenstände aus Wolle, Stroh, Holz, Keramik, Kupfer, ja sogar Kleidungsstücke, Schmuck, Geschenks- und Dekorationsartikel stehen in einigen spezialisierten Geschäften und auf dem Markt zum Verkauf.

Geschäfte - Verkaufsstellen:

Negozio dell’artigianato e Casa della lana
Sonogno
www.proverzasca.ch

Artis Artigianato e Sapori locali (Handwerk und lokale Genüsse )
Maggia
www.artisvallemaggia.ch

Casa dell’artigianato
Dongio

Pagliarte
Berzona
www.pagliarte.ch

Das historische Kunsthandwerk


Wolle und Hanf


Die bäuerliche Landwirtschaft war absolut autark, d.h. man produzierte unabhängig alles was für den täglichen Gebrauch nötig war. Hanf anzupflanzen und zu verarbeiten erlaubte, den Stoff für Kleider und Wäsche für das Haus zur Verfügung zu haben. Die Schafwolle wurde gewaschen, gefärbt, gehechelt und gesponnen, sodass man Socken, Pullover, Schals und Decken daraus machen konnte.
Die Verarbeitung des Hanfs und der Wolle wird in diversen ethnografischen Tessiner Museen dargestellt, insbesondere im Museum des Verzascatals in Sonogno, vis-à-vis der Casa della lana und dem Geschäft mit dem Kunsthandwerk. Im Dorf, wo sich auch die Pro Verzasca befindet, ein 1933 gegründeter Verein, der das Handwerk unterstützt, findet zweimal im Jahr (Mai und Oktober) der rituelle Brauch des Wollfärbens statt, bei dem man zusehen kann.

Die peduli (Stoffschuhe)


Aus den Stoffresten fabrizierte man die peduli, Schuhe mit einer Sohle aus zentimeterdicken Stofflagen, die dann an das ebenfalls textile Oberstück mit einem Hanffaden angenäht wurden. Die Besonderheiten dieses ausschliesslich von Frauen erledigten Handwerks kann man im Museo delle Centovalli e del Pedemonte in Intragna betrachten. Einige Handwerkerinnen bieten heute noch peduli an (Markt in Locarno).

Das Flechtwerk


Körbe und Hucken, tägliche Gebrauchsgegenstände im Tessin der vergangen Jahrhunderte, wurden mit Geschick aus besonders geschmeidigen Ästen geflochten, wie etwa die der Haselnuss. Kunstfertige Handwerker führen diese Tätigkeit noch immer aus und bieten ihre Produkte auf den verschiedenen Stadtmärkten an.

Das Stroh


Die Strohverarbeitung war typisch für das Onsernonetal, wo sie sich bereits im 16. Jhd. entwickelte und einen Grossteil der Bevölkerung bis Ende des 19. Jhd. beschäftigte. Man flocht das Stroh des Roggens, der im Tal angebaut und im Sommer geerntet wurde. Wie beim Hanf wurden die Stängel getrocknet und mazeriert, um so das Grundmaterial für die binda (einen Strohzopf) zu erhalten und daraus Hüte und Taschen zu konfektionieren, die auch ins Ausland verkauft wurden.
Die Strohverarbeitung wird im ethnografischen Museum in Loco sehr gut dargestellt. Seit einigen Jahren besteht in Berzona das Atelier Pagliarte, wo man dieses Handwerk weiterpflegt, indem man Hüte, Taschen und dem zeitgenössischen Geschmack entsprechende Accessoires anfertigt.

Das Holz


Viele Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden im Haus hergestellt: von der cadola, eine Hucke zum Holztragen, bis zu Keks- und Butterformen, vom Halsring für die Ziegen zum Teller für die Polenta, von der Wiege für das Neugeborene zur Truhe, in der die Mitgift aufbewahrt wurde. Es wurde hauptsächlich das Holz von Kastanien, Nussbaum und Esche verwendet. Auch diese Handfertigkeit hat Spuren hinterlassen, die wir in den verschiedenen ethnografischen Tessiner Museen bewundern können.

Der Topfstein


Die Bearbeitung des Topfsteins war typisch für das obere Maggiatal und im Museum in Cevio werden die verschieden Abläufe im Produktionsprozess erklärt, insbesondere beim Herstellen von Gefässen für die Konservierung und Zubereitung der Lebensmittel, von Lampen, Wannen und pigne (die charakteristischen Öfen im Alpenraum).

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