Altstadt von Mendrisio

Städte-Denkmäler

Antike Herrenhäuser und Kirchen, reich an Stuckarbeiten und Fresken, säumen die engen Gässchen der Altstadt von Mendrisio, die von der Moderne unberührt geblieben ist und vor allem während der Prozessionen in der Karwoche (Kulturerbes der Unesco) und im September beim Traubenfest besonders faszinierend wird. Mendrisio ist der Hauptort der Region, die auch unter dem Namen „Toskana der Schweiz“ bekannt ist, dank der Landschaft mit ihren sanften Hügeln und Weinbergen und den Ziegelhäusern mit Schindeldächern. Nur 5 km entfernt befindet sich das Baptisterium von Riva San Vitale, eines der ältesten christlichen Monumente der Schweiz.

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Rundgang: Altstadt von Mendrisio (2 St., Karte)


Unser Rundgang durch den "magnifico borgo" beginnt an der Piazza del Ponte, die von der imposanten Pfarrkirche der Hl. Cosma und Damiano dominiert wird, ein relativ neuer Bau (1863-75) von neoklassischem Einfluss und Werk des Architekten Luigi Fontana. Der nahe mittelalterliche Glockenturm stammt jedoch aus dem 13. Jhd. Und ist noch Zeugnis für eine der drei Burgen, die einst die Stadt befestigten. Sie diente zuerst militärischen Zwecken, wurde in der Folge erhöht und zum Glockenturm umgewandelt. 1908 wurde sie wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Auf der Piazza finden wir noch den eleganten Palazzo Torriani, der im Laufe der Jahrhunderte um einen ersten Stadtkern aus dem 13. Jhd. entstand.

Man geht die Via Torriani (neben der Pfarrkirche) und die Via Santa Maria hoch und gelangt zur Kirche Santa Maria, die älteste des Stadtkerns (Zurzeit in Restaurierung). Es handelt sich um einen mittelalterlichen Bau, der auf den Resten einer römischen Villa steht und im 16. und 17. Jhd. errichtet wurde. Der Glockenturm ist romanisch und stammt jedoch aus dem 12. Jhd.. Nun schlägt man die Via Vecchio Ginnasio ein und kommt in kurzer Zeit zur Kirche San Giovanni Battista, reich dekoriert und als Beispiel eines der eindrücklichsten Zeugnisse des Spätbarocks im Tessin eingestuft. Daneben befindet sich das Kunstmuseum, in einem antiken Servitenkloster mit einem wunderschönen Kreuzgang. Vom Museum heraustretend und nach rechts abbiegend, finden wir die hübsche Kapelle der Madonna delle Grazie mit einem Fresko aus dem 14. Jhd., das Giovanni da Milano zugeschrieben wird. Weiter geht es auf der Via Carlo Pasta, wo man nach nur 300 Metern rechterhand die pittoreske Via delle Cantine kreuzt. Das Mendrisiotto ist eine ausgesprochene Weingegend, wo ausgezeichneten und eleganten Merlots produziert werden. Seit Jahrhunderten gehören den Bewohnern dieses Stadtteils die Kellereien, welche die frische Luft nützten, die vom Generoso herabkommt und während des ganzen Jahres eine konstante Temperatur garantiert. Der Grossteil der Kellereien ist in privater Hand, aber es gibt auch einige Lokale in denen man Tessiner Spezialitäten und die guten Weine der Region verkosten kann.

Zurück zur Kapelle der Madonna delle Grazie gehen wir die Via Stella entlang, die uns wieder auf die Piazza del Ponte bringt. Man überquert den Platz und kommt auf den Corso Bello, das Herzstück des historischen Zentrums, bis zu einer Ausweitung mit dem grossartigen Palazzo Pollini, aus dem 18. Jhd. und typisches Beispiel einer spätbarocken, lombardischen Villa.

Es geht auf dieselbe Strasse weiter, bis zur Piazzetta Borella, und von dort gelangt man über die Via Gismonda zur Architektur-Fakultät der Universität, gegründet vom bekannten Tessiner Architekten Mario Botta. Die Akademie ist im eindrücklichen Palazzo Turconi und in der eleganten Villa Argentina untergebracht, zwei Bauten, die auf die zweite Hälfte des 19. Jhd. zurückgehen, sowie im modernen Palazzo Canavee, im Jahr 2000 vom Architekturbüro Soliman & Zurkirchen entworfen und erbaut. Der Bau, mit schwarzen Ziegeln verkleidet, bezieht sich mit seiner eindrücklichen Dimension auf die neoklassische Anlage des Palazzo Turconi an und öffnet sich mit einer weiten Glaswand zum üppigen Park der Villa Argentina, eine besonders wertvolle Grünzone im Herzen von Mendrisio.
Neben dem Palazzo Turconi wurde 2018 das Architekturtheater eingeweiht. Auch dieses in seiner Art einzigartige Werk wurde vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfen, der sich von den antiken anatomischen Theatern inspirieren liess. Diese bestehen aus einem großen zentralen Raum, in dem sich das Studienobjekt befand und um den sich die Schüler trafen. Das kreisförmige Gebäude ist auf 5 Etagen strukturiert, die sich um den zentralen Bereich entwickelt. Im Laufe des Jahres finden hier wechselnde Ausstellungen und öffentliche Veranstaltungen statt, um die kulturelle Debatte zu fördern und Verbindungen zwischen Architektur und bildender Kunst herzustellen.

Beim Verkehrsamt sind gratis Audioguides in 4 vier Sprachen erhältlich (Italienisch, Französisch, Deutsch und Englisch), zu einem ähnlichen Rundgang, der jedoch etwas länger ist (3,4 km, Dauer: 2 Stunden).

Feste und Prozessionen


In Mendrisio werden bedeutende Feierlichkeiten abgehalten, die sich an die bäuerlichen und religiösen Wurzeln dieser fruchtbaren Region anknüpfen. Donnerstag und Freitag vor Ostern finden die historischen Prozessionen im malerischen Szenarium des Zentrums statt, deren Ursprünge auf das Ende des 17. Jhd. zurückgehen. 2019 erhielten sie die Anerkennung des “immateriellen Kulturerbes der Unesco“ wegen ihres internationalen Wertes als weltweit einzigartige Darbietung bei welcher Geschichte durch gelebte Tradition mit den Prozessionen und den „Transparenten“ Schauspiel wird. Letztere sind eine spezielle Eigenheit, die Mendrisio mit ihren geschichtlichen Heiligendarstellungen aussergewöhnlich macht und wo man es noch versteht, diese kostbaren Leuchtbilder zu produzieren und restaurieren. In den Gassen des Ortes aufgehängt, erleuchten, schmücken und begleiten die Transparente den Verlauf der abendlichen Zeremonien am Kardonnerstag und Karfreitag.

Das historische Zentrum ist auch Ende September der Rahmen des beliebten Winzerfests, bei dem man die Bedeutung der Weinproduktion in der Region hervorhebt.
Die älteste Messe der bäuerlichen Tradition des Tessins, die des Hl. Martins, findet am 11. November statt um die gleichnamige romanische Kirche herum, welche auf einer Wiese nicht weit vom Zentrum steht.

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